Ausbildung zur Begleitung von Eltern-Kind-Gruppen: Grundgedanken

Es gibt wohl kaum eine grössere Veränderung in einer sozialen Gemeinschaft, als wenn ein Kind auf die Welt kommt und auf Pflege, Ernährung und Fürsorge angewiesen ist. Viele Eltern sind heute verunsichert in dieser Situation und haben Fragen. Sie sind einer Flut von Informationen ausgesetzt und suchen Orientierung.

In einer kleinen Eltern-Kind-Gruppe (um die 4 bis 6 Kinder) erleben sie Ruhe und Akzeptanz in einem Raum von Wärme. Das ist wohltuend und erholsam für sie und die Kinder. Sie können sich hier zurücklehnen, zu sich kommen und mit Freude die Entwicklung ihres Kindes beobachten. Jedes Kind hat dabei alle Zeit der Welt und wird zu nichts gedrängt. Oft erleben Eltern in dieser ruhigen Atmosphäre zum ersten Mal, dass ihr Kind fähig ist, zufrieden und hingebungsvoll, ganz für sich allein, zu spielen. Was für eine Erleichterung!

So fassen Eltern Vertrauen und öffnen sich für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Begleitperson.

Das Begleiten von Eltern und Kindern in diesem Sinne verlangt, dass neue Fähigkeiten entwickelt werden. Ein Bewusstseinswandel ist notwendig, um eine Haltung zu erlangen, die solch lebendigen Prozessen entspricht. Die Grundlage dafür ist ein Weg der Selbsterkenntnis und der Selbsterziehung. Es braucht die Fähigkeit, bei sich selbst anzukommen und immer mehr Spürbewusstsein im Jetzt zu entwickeln – so kann Vertrauen wachsen und Einfühlung in all die individuellen Situationen von Eltern und Kindern. Es ist eine Kunst, Räume der Ruhe, des Respekts und der Entfaltung zu schaffen.

Die Entwicklung des Kindes in den ersten 3 Jahren
Wir erleben heute eine rasante Entwicklung in vielen Lebensbereichen. Diese bringt zum Teil tiefgreifende Begleiterscheinungen mit sich, welche eine harmonische Entwicklung in der Frühen Kindheit gefährden können. Die ersten drei Lebensjahre bilden das Fundament für alle spätere Entwicklung auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene. Was Jean Paul (1763-1825) sagte, gilt heute um ein Vielfaches:

"Alles Erste bleibt ewig im Kinde;
Die erste Farbe
Die erste Musik
Die erste Blume
Malen den Urgrund des Lebens.
Deshalb gibt es nur ein Gesetz:
Beschützt das Kind vor allem Heftigen!"

Sowohl aus der Menschenkunde Rudolf Steiners als auch aus den Forschungen von Emmi Pikler und anderen, erhalten wir Grundlegendes, Wegleitendes darüber, wie die Frühe Kindheit hilfreich begleitet werden kann.